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Die Verluste, die wir teilen: Warum wir gerade jetzt über Fehlgeburten und Totgeburten sprechen müssen

Von Maana Lindqvist*

Letzte Woche fand ein bahnbrechendes Ereignis statt. Das neuseeländische Parlament verabschiedete ein Gesetz, das drei Tage bezahlten Urlaub nach einer Fehlgeburt oder Totgeburt vorsieht. Und das, ohne einen Krankheitstag dafür in Anspruch nehmen zu müssen. Neuseeland ist damit eines der wenigen Länder weltweit, die eine solche Regelung haben.

Als erstes selbstverwaltendes Land, in dem Frauen seit 1893 wählen durften, hat Neuseeland bereits in der Vergangenheit eine Reihe von Gesetzen verabschiedet, die von Frauenrechtsgruppen begrüßt wurden. Von der Entkriminalisierung der Sexarbeit im Jahr 2003 bis zur Entkriminalisierung der Abtreibung im Jahr 2020 (nach 40 Jahren Wahlkampf), über Aktionen, um die Auswirkungen der „Period Poverty“ Anfang 2021 zu verringern, bis hin zum aktuellen Erfolg am 24. März diesen Jahres: Drei Tage Trauerurlaub für Frauen und ihre Partner nach einer Fehlgeburt oder Totgeburt.

Ein Mitglied des neuseeländischen Parlaments, Ginny Andersen, betonte, dass jedes Jahr 20.000 Frauen in Neuseeland eine Fehlgeburt erleiden. Mit anderen Worten: Jährlich ist in Neuseeland jede vierte Frau im gebärfähigen Alter von dem Verlust eines Kindes betroffen. Während einige Arbeitgeber bereits vor dem neuen Gesetz den Arbeitnehmerinnen nach einer Fehlgeburt eine bezahlte Freistellung von der Arbeit anboten, waren andere nicht so nachsichtig und forderten die Frauen auf, sich für die körperliche und seelische Erholung der Fehlgeburt krankschreiben zu lassen.

Warum wir über ungeborene Babys sprechen müssen

Auf der ganzen Welt haben Frauen einen unterschiedlichen Zugang zu Gesundheitsdiensten. Krankenhäuser und Kliniken sind in vielen Ländern oft unterfinanziert und unterbesetzt. So vielfältig die Erfahrung auch ist, ein Baby zu verlieren, auf der ganzen Welt tauchen doch immer wieder Stigmatisierung, Scham und Schuld als gemeinsame Themen auf. Frauen, die ihre Babys verlieren, haben oft das Gefühl, dass sie über ihre Trauer schweigen sollten. Entweder weil Fehlgeburten und Totgeburten leider noch immer recht häufig vorkommen oder weil sie von vorneherein als unvermeidlich empfunden werden. Das neue Gesetz sollte laut Andersen dazu beitragen, Stigmatisierungen im Zusammenhang mit Fehlgeburten zu beseitigen und die Offenheit in Bezug auf Schwangerschaft, Entbindung und Fehlgeburten zu fördern:

"Ich hoffe,dass diese Gesetzesvorlage dazu beitragen wird, dass Frauen sich wohler fühlen,wenn sie über Fehlgeburten sprechen oder sich Hilfe und Unterstützung für dieVerarbeitung eines enormen physischen und emotionalen Verlustes suchen", sagtesie dem Gesetzgeber.

Die meisten Frauen, die eine Fehlgeburt hatten, suchen nach Antworten. Leider gibt es jedoch nicht den einen Grund oder die eine Antwort auf die Frage, warum eine Schwangerschaft in einer Fehl- oder Totgeburt endet.

Manchmal ist der Grund ein so genanntes Abortivei. Das bedeutet, dass sich aus der befruchteten Eizelle kein Embryo, sondern nur die Plazenta entwickelt. Das ist dann also eine Schwangerschaft ohne Embryo. Manchmal passiert eine Fehlgeburt jedoch auch vollkommen ohne ersichtlichen Grund. Es wird weitgehend angenommen, dass bestimmte Probleme mit Chromosomen die Ursache für viele Fehlgeburten sind. Mit Sicherheit kann jedoch niemand sagen, warum die eine Frau eine Fehlgeburt hat und die andere nicht. So hart es auch ist: Manchmal gibt es einfach keine Erklärung. Ziemlich sicher lässt sich jedoch sagen, dass die Mehrzahl der Fehlgeburten nicht durch etwas verursacht wird, was die Mutter getan oder nicht getan hat. Oft kommt das Schuldgefühl einfach von dir selbst. Du fragst dich vielleicht, was du hättest anders machen können oder sollen oder fühlst dich von deinem Körper betrogen. Manchmal kommt die Schuldzuweisung jedoch auch von der Gesellschaft.

Die emotionalen Auswirkungen einer Fehlgeburt bleiben haften

Der Verlust eines Kindes während der Schwangerschaft ist ein harter Schlag für eine Frau. Es kann passieren, dass dieses Erlebnis so prägend ist, dass die betroffene Frau nach der Fehlgeburt psychische Probleme entwickelt, mit denen sie mitunter noch Monate oder sogar Jahre zu kämpfen hat. Dies kann auch dann noch der Fall sein, wenn sie später bereits gesunde Babys bekommen hat. Zwar ist es sogar recht wahrscheinlich, dass eine Frau nach einer Fehlgeburt ein vollkommen gesundes Baby zur Welt bringt, der Verlust eines Kindes ist jedoch immer schmerzhaft und wird oftmals auch nicht durch eine positive Schwangerschaft völlig verschwinden. Es kann natürlich sein, dass eine Frau glückselig über ihr gesundes Neugeborenes ist und dies ihren Schmerz oder zumindest einen Teil davon heilt. Es kann jedoch ebensogut passieren, dass der Schmerz über den Verlust eines Kindes die Mutter noch eine Weile oder sogar für immer begleiten wird. Hier gibt es kein richtig oder falsch. Jede Situation ist anders und was du fühlst, zählt.

Es ist wichtig, dass wir den Dialog über Themen wie Fehl- und Totgeburten eröffnen. In jüngster Zeit haben viele Prominente über den Schmerz und den Verlust gesprochen, ein Kind zu verlieren. Kimberly Van Der Beek und ihr Ehemann, der Schauspieler James Van Der Beek, berichteten beispielsweise auf Instagram über ihre Geschichte. Sie erzählen hier von dem Schmerz, gleich mehrere ungeborene Kinder zu verlieren. Chrissy Teigen teilte ihr Leid nach dem Verlust ihres Sohnes Jack in den sozialen Medien und musste sich kurz darauf lächerlichen und unhöflichen Kommentaren stellen. Die User verurteilten sie und ihren Ehemann John Legend für ihre Entscheidung, ihren Verlust offen mit der Welt zu teilen.

 

Meghan, die Herzogin von Sussex,brach nach langer Zeit endlich das Schweigen und berichtete in einem New York Times Artikel über ihreFehlgeburt im Jahr 2020. Sie betonte dabei besonders die Notwendigkeit der medizinischenund psychologischen Unterstützung für Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten. IhrePosition als Mitglied der königlichen Familie, stets unter der Lupe derunerbittlichen britischen Boulevardzeitungen, verschaffte ihr einen Platz aufder Titelseite – nur leider wurde sie dafür von den Medien gelyncht.

Trauer ist kein Wettbewerb. Es ist eine Emotion, ein Prozess, der einem traumatischen Ereignis wie dem Verlust eines Kindes folgt. Es spielt keine Rolle, ob du dein Kind frühzeitig verloren hast oder vielleicht nicht einmal wusstest, dass du überhaupt schwanger warst. Es spielt keine Rolle, ob das Baby lebend geboren wurde und dann starb oder ob es schon tot auf die Welt kam. Die schreckliche Realität ist in beiden Fällen dieselbe: Kein Baby. Das Leid von Van Der Beeks, Sussex oder Teigen und Legend ist nicht größer als deins, weil sie damit in der Öffentlichkeit stehen. Aber es verstärkt deine Stimme. Wenn Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens beschließen, über die Ereignisse zu sprechen, die du mit ihnen gemeinsam hast, über die Verluste, die wir alle teilen, profitieren wir letzten Endes auch alle davon. Leider bedeutet dies oft, dass sich prominente Persönlichkeiten dem unerbittlichen Social Media- und Boulevard-Scham aussetzen müssen. Nicht selten geht dies einher mit Beleidigungen, Kränkungen und sogar Missbrauch. Und das, obwohl doch das eigentliche Problem ein völlig anderes ist.

Es ist das Heimkommen aus dem Krankenhaus ohne Baby. Es sind die Fragen und Kommentare, von Menschen, die wissen, dass du schwanger warst. "Wo ist das Baby?" Es ist das Kinderzimmer, das du bereits liebevoll eingerichtet hast, die Wiege, die du sorgsam ausgesucht hast und die Wandfarben, die nun keinen Sinn mehr ergeben. Sie alle sind plötzlich einfach nutzlos. Nicht benötigt. Leer. Es fühlt sich an, wie der reinste Terror und die größte Schande.

Es kann aber genauso die Erleichterung sein, die du empfindest, wenn du ungeschützten Sex hattest und ungewollt schwanger wurdest. Vielleicht wurdest du sogar sexuell belästigt. Vielleicht wusstest du nicht, dass du schwanger warst, hättest aber das Baby gewollt, wenn du es gewusst hättest. Vielleicht ist auch das wirklich Schlimme für dich die Wahl, die dir abgenommen wurde. Vielleicht war es deine erste Fehlgeburt. Vielleicht auch bereits die dritte. Vielleicht kannst du keine Kinder bekommen. Vielleicht hast du bereits diverse Behandlungen ausprobiert, nur um jetzt wieder mit einer Fehlgeburt da zu sitzen. Vielleicht warst du zu jung oder zu alt oder irgendetwas dazwischen. Vielleicht, vielleicht, vielleicht ... Wer auch immer du bist, was auch immer deine Lebenssituation ist, was auch immer du fühlst – es ist gültig und zählt. Du zählst und deine Gefühle zählen ebenfalls. Und du bist nicht allein.

Wie geht es nach einer Fehlgeburt weiter?

Im Krankenhaus werden die Überresteeines Babys aus einer Fehlgeburt häufig einfach wie Krankenhausabfällebehandelt. Aber was tut man mit einem Baby, das "zu jung für eineBeerdigung, aber zu alt zum Ignorieren war"?

In British Columbia, in Kanada, gibt es einen Garten. Es heißt Little Spirits Garden und ist der Erinnerung an Kinder gewidmet, die es nicht durch die Schwangerschaft geschafft haben. Kleine, graue Häuser auf langen Betonsockeln in der Landschaft erinnern an diese verlorenen Kinder. Denkmäler für ungeborene Babys sind in den meisten Ländern universell zu finden. Manchmal ist es ein Garten in Kanada für die Geister der ungeborenen oder totgeborenen Kinder – und manchmal ist es eine örtliche Grabstätte mit einem kleinen Bereich, der der Erinnerung an die verlorenen Babys gewidmet ist.

They can be like the garden in Canada, dedicated for the little spirits of little babies, or maybe your local burial ground has a small section dedicated to remembering the unborn children.

Quelle: Debbie Balino "Der Garten der dabei hilft, den Schmerz des Schwangerschaftsverlusteszu heilen" BBC Stories

In Bezug auf die Gesetzgebung ist Neuseeland erst das zweite Land der gesamten Welt, das einen Trauerurlaub für Menschen einführt, die sich von einer Fehlgeburt erholen. Indien gewährt Frauen nach einer Fehlgeburt einen sechswöchigen Urlaub. Ginny Anderson fordert andere Länder dazu auf, dem Beispiel Neuseelands zu folgen:

"Ich kann nur hoffen, dass wir zwar einer derErsten, aber nicht einer der Letzten sind. Mögen zukünftig noch viele weitereLänder Gesetze für ein mitfühlendes und faires System erlassen, das den Schmerzund die Trauer anerkennt, die Fehlgeburt und Totgeburt mit sich bringen."

Vielleicht ist auch für dich endlichdie Zeit gekommen, das Schweigen zu brechen. Vielleicht auch nicht. Unabhängigdavon, ob du selbst den Weg von Van Der Beek und Chrissy Teigen einschlagen unddeine Geschichte teilen möchtest oder ob du es vorziehst, deine Trauerschweigend zu verarbeiten, wie Herzogin Meghan es ursprünglich versucht hat: Dasist ganz allein deine Entscheidung und ich unterstütze dich, in was auch immerdu für dich als richtig empfindest. Wir alle bei Lola & Lykke unterstützen dichin deiner Entscheidung. Wir stärken dich und feuern dich an. Weil wir wissen,dass wir alle ganz unterschiedlich mit Trauer, Schmerz und Verlust umgehen. Undweil wir Frauen und auch Mütter sind. Vor allem aber sind wir Menschen, diebereits Verluste erlebt und selbst getrauert haben.

Wenn du dich dazu entscheidest, dassdu mit jemandem sprechen möchtest, können Fachleute, die auf Fehlgeburtenspezialisiert sind, dir dabei helfen, das Erlebte zu verarbeiten. Mütter,Frauen und Gruppen, die ähnliches erlebt haben, können dir ebenfalls eineStütze sein. Gespräche mit deinem Partner, mit Freunden oder deiner Familie könnendeinen Schmerz lindern und dir beim Verarbeiten helfen. Sogar mit einem Fremdenzu sprechen kann eine gewisse Erleichterung bringen. Auch das Teilen deinerGeschichte in sozialen Medien oder das Engagement für eine wohltätige Organisationoder eine Bewegung kann dir beim Verarbeiten deines Schmerzes helfen. Odervielleicht hilft es dir auch einfach, genauso weiterzumachen, wie zuvor.Das weißt du am besten selbst.

Wenn du jedoch spezielle Fragen hast, können möglicherweise wir dir helfen. Wende dich hierzu einfach und kostenlos an die Experten von Lola & Lykke!


* Maana ist die Inhaltsadministratorin von Lola & Lykke. Nach ihrem Studium der Politik und der internationalen Beziehungenin Schottland zog sie nach London, um dort die renommierte London School ofHygiene and Tropical Medicine (Londoner Schule für Hygiene und Tropenmedizin)zu besuchen. Hier studierte und forschte sie im Bereich der reproduktiven undsexuellen Gesundheit.

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