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Die Lola&Lykke Expertinnen antworten: Die emotionale Achterbahnfahrt bei wiederholtem Schwangerschaftsverlust

*von Psychotherapeutin Jenni Huhtala

Fehlgeburten kommen viel häufiger vor, als du vielleicht denkst. Man schätzt, dass eine von drei Frauen im Laufe ihres Lebens eine Fehlgeburt erleidet. Wiederholte Fehlgeburten, d. h. mindestens drei in Folge, sind seltener. 5% der Paare, die versuchen, schwanger zu werden, erleiden zwei aufeinanderfolgende Fehlgeburten und 1-2% erleben drei oder mehr. Nach drei oder mehr Fehlgeburten werden mögliche chronische Ursachen in Betracht gezogen (z. B. Fehlbildungen der Gebärmutter, hormonelle Probleme, immunologische Gründe und Chromosomenanomalien), um herauszufinden, wie wahrscheinlich künftig eine erfolgreiche Schwangerschaft ist.

Der Schmerz über eine Fehlgeburt kann eine emotional und mental intensive Erfahrung sein. Wie auch immer du auf deinen Verlust reagierst - es ist völlig in Ordnung, und alle deine Gefühle sind berechtigt. Du sollst nur wissen, dass du damit nicht allein bist und wir dir helfen können. In diesem Artikel geht die Psychotherapeutin Jenni Huhtala auf die verschiedenen Gefühle ein, die Frauen nach einer Fehlgeburt empfinden können.

a woman grieving and hugging her husband pregnancy loss

Die psychologischen und emotionalen Auswirkungen

In der Medizin werden verschiedene Arten von Fehlgeburten (Aborte) unterschieden: spontane Fehlgeburten, unvollständige Fehlgeburten, Aborte aufgrund beschädigter Eizellen, verhaltene Aborte, Totgeburten, Eileiterschwangerschaften und Aborte wegen fötaler Anomalien. In diesem Beitrag werde ich mich auf die psychologischen und emotionalen Auswirkungen von wiederholten Fehlgeburten konzentrieren.

Der Verlust einer Schwangerschaft ist traumatisierend

Eine Fehlgeburt kann verschiedene schmerzhafte Gefühle wie Traurigkeit, Wut, Angst, Schuld und Scham auslösen. Diese negativen Gefühle und Erfahrungen verstärken sich mit jeder weiteren Fehlgeburt. Jeder Verlust einer Schwangerschaft, ob einmalig oder immer wiederkehrend, kann traumatisierend sein. Ursachen für Traumata können zum Beispiel sein: ein langer unerfüllter Kinderwunsch oder langwierige Unfruchtbarkeitsbehandlungen, unkontrollierbare Schmerzen oder starke Blutungen während der Fehlgeburt, Gefühle der Einsamkeit, Komplikationen, eine langsame Genesung und leider manchmal auch eine unsensible Behandlung oder rücksichtslose Kommentare des medizinischen Personals.

A woman in red long-sleeved sweater feeling sad pregnancy loss

Frauen, die eine Fehlgeburt hatten, haben oft das Gefühl, ein Kind verloren zu haben. Sie glauben nicht, dass sie "einen nicht lebensfähigen Fötus" oder "nur eine Schwangerschaft" verloren haben, sondern sie fühlen den Verlust eines ganzen Lebens. Das löst natürlich Traurigkeit aus, die respektiert werden sollte. Leider erleben viele Frauen, dass ihre Gefühle nicht ernst genommen werden. Selbst gut gemeinte Ratschläge, es "einfach noch einmal zu versuchen", können verletzend sein, wenn die Trauer noch nicht verarbeitet wurde und sie sich nicht bereit fühlen, einen erneuten Schwangerschaftsversuch auch nur in Erwägung zu ziehen. Bleibt diese Traurigkeit unbehandelt, kann sie in eine Depression umschlagen.

Angst, Scham und Schuldgefühle

Frauen, die wiederholt Fehlgeburten erlebt haben, geben sich oft selbst die Schuld. Was mache ich falsch? Was stimmt nicht mit mir, warum setzt sich der Embryo nicht fest? Sind meine Eizellen oder meine Gebärmutter irgendwie fehlerhaft? Es kann eine große Erleichterung sein, nach mehreren Fehlgeburten einen Arzt aufzusuchen und sich untersuchen zu lassen, damit eine Erklärung und somit eine mögliche Lösung gefunden wird. Manchmal zeigen die Tests keinen eindeutigen Grund, aber sie können zumindest helfen, einige Möglichkeiten auszuschließen. Leider scheinen Fehlgeburten in manchen Fällen einfach nur "Pech" zu sein - bei etwa 50% der wiederholten Fehlgeburten findet sich keine bekannte Ursache.

Manchmal lösen wiederholte Fehlgeburten auch Schamgefühle aus. Das kann dazu führen, dass sich dein ganzer Körper oder deine Weiblichkeit irgendwie falsch oder fehlerhaft anfühlt. Wenn es schwierig für dich ist, eine erfolgreiche Schwangerschaft zu erleben, kann das dein Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Einige Frauen haben dann das Gefühl, dass sie „als Mutter ungeeignet" sind, wenn es ihrem Körper nicht gelingt, ein Kind auszutragen.

Die Angst vor dauerhafter Kinderlosigkeit (entweder primär oder sekundär) ist bei wiederholten Fehlgeburten häufig vorhanden. Wenn du erst eine Fehlgeburt erlitten hast, fällt es dir leichter einzusehen, dass dies häufiger passiert. Studien haben gezeigt, dass 10-25% der Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt enden. Aber wenn es dir immer wieder passiert, dann wächst die Angst weiter: Was, wenn es mir nie gelingen wird, was, wenn meine Wünsche nie in Erfüllung gehen?

Teil einer kleinen, unglücklichen Minderheit zu sein, löst Gefühle von Wut und Frustration aus. Warum bin ich diejenige, die statistisch gesehen so unglaublich viel Pech hat? Diese Frustration richtet sich gegen die unkontrollierbare Situation, in der die Möglichkeiten sehr begrenzt sind, das Ergebnis zu beeinflussen. Die Schwangerschaften anderer, sogar die von geliebten Menschen, können diese Wut und Verbitterung wieder aufkommen lassen, oft begleitet von einer gewissen Verwirrung und Schuldgefühlen, weil man so fühlt.

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Kein Gefühl ist richtig oder falsch

Wiederholte Fehlgeburten können auch ganz andere Gefühle auslösen, zum Beispiel Erleichterung. Wenn du während mehrerer Schwangerschaften Angst vor einer Fehlgeburt hattest, kann es sich trotz der Traurigkeit wie eine Erleichterung anfühlen, keine Angst mehr davor zu haben. Angst selbst ist sehr stressig und anstrengend. Diese Erleichterung kann sich wiederum falsch anfühlen und Schuldgefühle auslösen: "Ich sollte mich nicht erleichtert fühlen, wenn ich mir nichts sehnlicher gewünscht habe als eine erfolgreiche Schwangerschaft".

Frühe Fehlgeburt vs. später Schwangerschaftsverlust

Fehlgeburten können auch sehr unterschiedlich erlebt werden. Sehr frühe Fehlgeburten können sich einfach wie eine verspätete Periode anfühlen, vielleicht nach einer vorsichtigen Freude über eine Schwangerschaft, die nur ein paar Tage gedauert hat. Die Gedanken an die Schwangerschaft und das Baby wachsen von Woche zu Woche und von Monat zu Monat. Das wiederum macht eine Fehlgeburt umso schwieriger, je länger die Schwangerschaft andauert. Eine spätere Fehlgeburt kann auch emotional und körperlich schwieriger zu überwinden sein. Eine meiner Klientinnen, die schon mehrere Fehlgeburten hatte, sagte, dass sich eine Fehlgeburt nach einer langen Schwangerschaft wie der Verlust eines Kindes anfühlt, während sie bei einer kürzeren Schwangerschaft nur "die Chance auf ein Kind" verloren hat.

Miscarriages cause emotional roller coaster

Schutzmechanismen gegen zukünftige Risiken

Frauen, die wiederholt Fehlgeburten erlitten haben, entwickeln oft Abwehrmechanismen. Diese sollen ihnen helfen, die Angst und die Ungewissheit zu überstehen, die mit allen zukünftigen Schwangerschaften einhergehen. Sie buchen vielleicht keinen Termin in der Entbindungsklinik zum frühestmöglichen Zeitpunkt oder erkundigen sich nicht einmal, wann der mögliche Geburtstermin ist. Sie denken vielleicht nicht über die Entwicklung des Embryos und des Fötus nach, um ihn nicht zu sehr "als Menschen" wahrzunehmen. Sie vermeiden möglichst, sich zu sehr an die Schwangerschaft oder das Baby zu binden, weil sie Angst vor einem Verlust haben.

Manche Frauen machen genau das Gegenteil: Sie gehen häufig zur Ultraschalluntersuchung oder überprüfen sogar mehrmals täglich die Herztöne des Babys mit einem Doppler-Monitor zu Hause. Diese Abwehrmechanismen können manchmal an Aberglauben grenzen, z. B.: "Ich darf vor dem nächsten Ultraschall niemandem von der Schwangerschaft erzählen, weil ich sonst eine Fehlgeburt habe" oder "Wenn ich etwas für das Baby kaufe, wird es im Mutterleib sterben".

Es ist recht häufig, dass die Angst vor einer Fehlgeburt nachlässt, wenn die Schwangerschaft über den Punkt der vorangegangenen Fehlgeburt hinausgeht und die Ultraschalluntersuchungen vielversprechend erscheinen. Der Glaube an den Erfolg der Schwangerschaft wächst dann allmählich.

Das ist jedoch nicht immer der Fall. Die Aborte können zu häufig oder zu spät in der Schwangerschaft stattgefunden haben, oder Komplikationen können dazu führen, dass die Verlustangst bis zum Ende anhält. In diesem Fall ist es am besten, an diesen Ängsten und der Entwicklung der Mutter-Baby-Bindung mit einer Mutterschafts-Psychologin oder einem Psychiater zu arbeiten, die auf Kinderlosigkeit und/oder frühe Bindung spezialisiert sind. Einige Krankenhäuser haben eine Spezialambulanz für Patientinnen, die besonders viel Angst vor einer Fehlgeburt haben, und können Frauen helfen, ihre Sorgen in den späteren Phasen der Schwangerschaft zu bewältigen. Auch häufigere Ultraschalluntersuchungen können nachweislich Ängste lindern.

Zitate von Klient:innen wurden mit deren Zustimmung hinzugefügt.

*Jenni Huhtala ist die Psychotherapeutin von Lola&Lykke, Expertin für Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten. Jenni bietet Unterstützung bei der Bewältigung des psychischen Stresses, der durch ständige Schwangerschaftsversuche, Unfruchtbarkeitsbehandlungen und den Adoptionsprozess verursacht wird. Zu ihrem Fachgebiet gehört es auch, Partnerschaften beim Umgang mit den emotionalen Auswirkungen der Unfruchtbarkeit zu unterstützen.

Wenn du einen Ort brauchst, um über einen Schwangerschaftsverlust zu sprechen, oder mehr Rat brauchst, sind die Lola&Lykke-Expertinnen für dich da. Wir bieten Müttern eine persönliche Plattform, auf der sie ihre Gedanken austauschen und Fragen zur Mutterschaft und zur Gesundheit von Müttern stellen können - alles auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierend und kostenlos.

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