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Eltern-Kind-Bindung: Vorteile von direktem Hautkontakt

Wenn du ein werdendes Elternteil bist oder selbst gerade ein Kind bekommen hast, hast du wahrscheinlich schon einmal vom Haut-zu-Haut-Kontakt oder der Känguru-Pflege gehört. Nicht wenige Befürworter dieser Praxis singen ein wahres Loblied auf die Wirkung und die Vorteile des direkten Hautkontaktes von Eltern und Kind. Und tatsächlich: es gibt zahlreiche wissenschaftliche Beweise dafür, dass der Haut-zu-Haut-Kontakt bemerkenswerte Vorteile bietet, wie z. B. eine stärkere Bindung zum Neugeborenen und ein erleichtertes Stillen. Dieser Artikel beschäftigt sich eingehend mit diesem Thema und verrät dir alles, was du über den Hautkontakt zu einem Baby wissen musst.

Was versteht man unter dem direkten Hautkontakt?

Was genau ist diese hochgelobte Praxis überhaupt? Direkter Hautkontakt bezieht sich auf eine Form der Eltern-Kind-Bindung, bei der das Baby, abgesehen von einer Windel, nackt auf die freigelegte Brust eines Elternteils gelegt wird. Sowohl Mütter als auch Väter können dies unmittelbar nach der Geburt tun, um die Vorteile des Hautkontaktes zu maximieren.

Die Praxis des direkten Hautkontaktes hat ihren Ursprung in Bogota, Kolumbien. Die Legende besagt, dass einst auf einer Neugeborenenstation die Inkubatoren für Babys mit schweren Krankenhausinfektionen knapp wurden, so dass Ärzte und Schwestern kreativ werden mussten, um die Babys warm zu halten. Den Ärzten Edgar Rey und Hector Martinez fielen dabei Kängurus ein, die ihre Jungen sofort nach der Geburt nah bei sich halten. Sie kamen auf die Idee, frischgebackene Mütter mit der Anweisung nach Hause zu schicken, ihre gewickelten Säuglinge so oft wie möglich an die nackte Brust zu halten.

Die Ergebnisse waren sensationell. Nicht nur reduzierte sich der Bedarf an Inkubatoren, es ab auch einen merklich starken Rückgang der Säuglingssterblichkeitsrate. Und zwar von ganzen 70 auf nur noch 30 Prozent! Seitdem ist der Hautkontakt (oder die Känguru-Pflege) zu einer weit verbreiteten Praxis geworden, auf die Ärzte aus der ganzen Welt schwören.

Vorteile des direkten Hautkontakts

Wie wir bereits mehrfach angedeutet haben, bietet die Kängurupflege mehrere ernstzunehmende Vorteile, von denen viele durch wissenschaftliche Beweise belegt sind. Hier kommt also eine Liste dieser Vorteile:

Vorteile für Babys

Zunächst ist es erwähnenswert, dass der direkte Hautkontakt von Eltern und Kind nicht nur zahlreiche positive Aspekte beinhaltet – er hilft auch dabei negative zu vermeiden. So hat sich zum Beispiel gezeigt, dass der Verzicht auf Haut-zu-Haut-Kontakt zu Problemen wie ADHS, Koliken und Schlafstörungen führen kann. Bei all diesen Dingen geht man davon aus, dass sie von zusätzlichen Stressbahnen im Gehirn herbeigeführt werden, welche der Hautkontakt verringern kann.

Darüber hinaus kann Haut-zu-Haut-Kontakt dabei helfen, die Gewichtszunahme des Babys zu verbessern und zu einer besseren Thermoregulation führen. Dies ist der Prozess, der es Babys ermöglicht, ihre Körperkerntemperatur zu halten, auch wenn sich die äußeren Temperaturbedingungen ändern. Bei direktem Hautkontakt von Mutter und Kind agiert der Körper der Mutter wie ein Thermostat für das Baby und passt seine Temperatur an die Bedürfnisse des Babys an, ähnlich wie es im Mutterleib der Fall war.

Wenn das Baby nicht so viel Energie aufwenden muss, um seine Temperatur zu halten, verbessert sich dadurch seine Fähigkeit, Gewicht zuzunehmen. Doch auch das Stillen, das bei direktem Hautkontakt sehr viel besser funktioniert als ohne, ist ein wichtiger Faktor bei der Gewichtszunahme des Babys. Auf das Thema Stillen mit Hautkontakt werden wir aber später in diesem Artikel noch einmal näher eingehen.

Im Allgemeinen hilft direkter Hautkontakt dem Baby dabei, sich zu stabilisieren und selbst zu regulieren, was zu einer stabileren Herzfrequenz und Atmung führt. So kann die Känguru-Pflege bis zu 75 Prozent der Herz- und Atemstillstände bei Neugeborenen beseitigen. Es wird außerdem weitgehend angenommen, dass diese Praxis Schmerzen bei Säuglingen reduzieren kann. All dies führt dazu, dass das Baby weniger oft weint. Tatsächlich zeigte eine Studie, dass Neugeborene, die mit direkten Hautkontakt aufwuchsen, 12 Mal weniger weinten als ihre Altersgenossen, die keinen Hautkontakt hatten.

Schon 20 Minuten Hautkontakt am Tag reichen aus, um den Cortisolspiegel des Babys zu senken, was zu weniger Magen-Darm-Problemen und einer besseren Aufnahme und Verdauung der Nährstoffe führt. Dies trägt wiederrum auch zur Erhaltung des Gewichts und einer ausreichend warmen Körpertemperatur bei.

Direkter Hautkontakt ist außerdem eine großartige Möglichkeit, dem Baby beim Einschlafen zu helfen und den wichtigen Zustand des Tiefschlafs zu erreichen, der dazu beiträgt, die Gehirnentwicklung und -reifung zu beschleunigen. Babys, die Känguru-Pflege erhalten, haben also also eine verbesserte Gehirnentwicklung und -funktion. Und da beim direkten Hautkontakt die Bindung zu den Eltern auf eine gesunde Art gefördert wird, kann diese Praxis unter anderem auch zu einer geringeren Rate an Depressionen und besseren schulischen Leistungen im späteren Leben führen.

Zu den weiteren Vorteilen der Känguru-Pflege gehören die Besiedlung des Babys mit den gesunden Bakterien der Mutter, was das Baby vor Infektionen schützt, ein höherer Sauerstoffgehalt im Blut und ein stärkeres Immunsystem, was zu niedrigeren Krankheitsraten und somit rundum besseren Überlebenschancen führt.

Vorteile für die Eltern

Natürlich ist Hautkontakt nicht nur für das Baby von Vorteil, sondern hat auch Vorteile für die Eltern. Als Allererstes wäre da natürlich das starke Gefühl der Bindung zu dem Neugeborenen zu nennen, der durch den Hautkontakt entsteht. Gerade für Väter ist dies etwas ganz Besonderes, da sie nun dem Baby auch körperlich ganz nahe sein können, was während der Schwangerschaft den Müttern vorbehalten war. Dies sorgt für ein Gefühl der Nähe und Wärme zwischen Elternteil und Kind. Auch das Wissen, dem Neugeborenen all die oben genannten Vorteile zu geben, ist ein positiver Effekt für die Eltern, die ihrem Baby den direkten Hautkontakt ermöglichen.

Wenn es um die Bindung zwischen Mutter und Kind geht, erhöht der Hautkontakt den Oxytocinspiegel der Mutter, was den Blutdruck senkt und Stress verringert. Es kann außerdem dabei helfen, den Hormonspiegel möglichst schnell wieder auf die Werte von vor der Schwangerschaft zu bringen, was das Risiko einer postpartalen Depression verringert. Studien zeigen sogar, dass Eltern, die die Känguru-Pflege anwenden, sich sicherer in ihrer Elternschaft fühlen und dadurch weniger Ängste und Stress erleben.

Hier erfährst du mehr: Postpartale Depression während der Pandemie

Vorteile für Mütter mit Kaiserschnitt

Wenn du per Kaiserschnitt entbunden hast, kann der direkte Hautkontakt zu deinem Baby dir ebenfalls bei einigen Dingen helfen. Einige Studien haben nämlich gezeigt, dass Mütter, die Haut-zu-Haut-Kontakt mit ihren Säuglingen praktizierten, über weniger Schmerzen nach ihrem Kaiserschnitt berichteten. Hierbei solltest du allerdings beachten, dass die Beweise nicht stark genug waren, um einen eindeutigen Effekt der physischen Trennung auf die Schmerzen zu belegen.

Im Allgemeinen lässt sich aber sagen, dass sich keine Studien finden lassen, die nachteilige Auswirkungen von Hautkontakt bei Kaiserschnitt-Babys oder -Eltern haben. Im Gegenteil: Mütter berichteten über eine höhere Zufriedenheit mit dem Geburtserlebnis, wenn sie die Möglichkeit bekamen, ihr Baby direkt nach der Geburt Haut-an-Haut zu spüren.

Vorteile für das Stillen

Einer der bedeutendsten Vorteile für Eltern und Baby, der sich aus der Känguru-Pflege ergeben kann, ist die Verbesserung des Stillens. Gerade da dieses Thema für frischgebackene Mütter oft ein großer Stressfaktor ist. Studien haben gezeigt, dass direkter Hautkontakt Hormone freisetzt, die die Muttermilchproduktion verbessern. Bei Babys, die Haut-zu-Haut-Pflege erfahren, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie beim ersten Mal erfolgreich stillen, daher um 32 Prozent höher.

Mehr zu diesem Thema: Die besten Tipps und Ratschläge zum Stillen deines Babys.

Das Beste aber ist: Diese Vorteile beim Stillen sind nicht nur vorübergehend. Mütter, die Känguru-Pflege praktizieren, stillen mit höherer Wahrscheinlichkeit ausschließlich und über einen längeren Zeitraum. Außerdem haben sie weniger Brustschmerzen und Schwellungen, die für stillende Mütter ein großes Ärgernis sein können.

Na, bereits überzeugt, dass Hautkontakt einen Versuch wert ist? Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt übrigens auch, dass alle Neugeborenen Haut-zu-Haut-Pflege erhalten, unabhängig vom Gewicht des Babys, dem Schwangerschaftsalter, der Geburtsumgebung oder dem klinischen Zustand.

Wann du mit dem Hautkontakt anfangen solltest

Nun, da du weißt, welche positiven Auswirkungen die Känguru-Pflege für dich und deine Familie hat, fragst du dich wahrscheinlich schon, wie und wann du am besten damit anfängst. Die Antwort darauf ist einfach: So schnell wie möglich! Denn Hautkontakt zu deinem Baby kannst du im Grunde genommen direkt nach der Geburt haben, während des gesamten Krankenhausaufenthaltes und natürlich auch nachdem du dein Baby mit nach Hause genommen hast. Du kannst den Haut-zu-Haut-Kontakt für eine extrastarke Mutter-Kind-Bindung auch noch Monate nach der Geburt deines Babys fortsetzen. Experten empfehlen in der Regel mindestens drei Monate für voll entwickelte Babys und sechs Monate für Frühgeborene.

Wie lange der direkte Hautkontakt dauern sollte

Wenn dein Neugeborenes zum ersten Mal direkt nach der Geburt nackt auf deiner Haut liegt, solltest du dir dafür mindestens ein bis zwei Stunden Zeit lassen. Idealerweise stillst du in dieser Zeit auch gleich zum ersten Mal, was euch beiden genug Zeit für den ersten Schlafzyklus deines Babys lässt.

Nach diesem ersten Mal kannst du den Hautkontakt so lange praktizieren, wie es sich für dich und dein Baby richtig anfühlt. Es wird jedoch stets ein Minimum von 20 Minuten am Stück empfohlen. Achte aber bitte darauf, dass du nicht mit deinem Baby auf der Brust einschläfst. Die Anwesenheit deines Partners kann dich im Zweifelsfall vor dem Einschlafen bewahren, besonders bei längeren Haut-zu-Haut Momenten.

Wie man Haut-zu-Haut-Kontakt durchführt

bequem an einen ruhigen Ort, idealerweise mit Privatsphäre und gedämpftem Licht. Lege dir dein Baby, das nur die Windel trägt, auf deine nackte Brust, so dass sein Kopf zur Seite zeigt, um die Atemwege offen zu halten. Du kannst auch eine Decke über dich und dein Baby legen, wenn euch kalt wird. Entspanne dich und genieße einfach die gemeinsame Zeit. Du kannst dabei lesen, Musik hören oder mit deinem Baby sprechen, was auch immer sich für dich selbst richtig anfühlt. Je nach Belieben kannst du den Moment alleine genießen oder den Hautkontakt zusammen mit deinem Partner und eurem Baby erleben. Hierbei könnt ihr euch abwechseln, denn euer Baby sollte immer auf einer Brust liegen.

Tipps für den direkten Hautkontakt für Erstlingseltern

Wenn du noch unsicher bist und deinem Baby noch nie so nahe warst, findest du hier einige Tipps und Hinweise, was dich erwarten könnte.

Wenn die Ärzte dir dein Neugeborenes zum ersten Mal auf die Brust legen, wird es wahrscheinlich den typischen Neugeborenenschrei ausstoßen. Mache dir aber deswegen keine Sorgen. Schon bald wird sich dein Kind beruhigen und tief entspannen, während es sich von der Geburt erholt. Nach einiger Zeit wird dein Baby seine Augen öffnen und beginnen, auf deine Stimme zu reagieren. Wenn du möchtest, kannst du diese Zeit nutzen, um mit deinem Baby zu sprechen.

Schon bald wird dein Neugeborenes damit anfangen, sich ein wenig zu bewegen und sich schließlich sogar zu deiner Brust hinzubewegen, wenn es bereit ist, zu trinken. Nach einer kurzen Zeit der Ruhe wird dein Baby dann beginnen, sich mit deiner Brust durch eine Kombination aus Kuscheln, Riechen und Lecken vertraut zu machen. Überstürze nichts in dieser Phase, da sie etwas Zeit in Anspruch nehmen kann.

Bleibe einfach geduldig und lasse dein Baby selbst herausfinden, wie es an der Brust andockt. Irgendwann passiert dies nämlich höchstwahrscheinlich ganz von allein und dein Baby wird zu trinken beginnen. Zögere nicht, wenn nötig die Position von dir und deinem Baby anzupassen, um das Ganze bequemer zu machen. Nachdem dein Baby eine Weile gesäugt hat, schläft es vermutlich ein, und auch du selbst wirst vielleicht müde und nickst ein. Sollte dies der Fall sein, ist es gut, wenn dein Partner zugegen ist. Er kann nun übernehmen und die Gelegenheit nutzen, um ebenfalls Hautkontakt zu eurem Baby herzustellen.

Achte darauf, diesen ersten Prozess nach Möglichkeit nicht zu überstürzen oder zu unterbrechen, denn das kann das spätere Stillen erschweren. Solltest du, aus welchen Gründen auch immer, nicht in der Lage sind, sofort nach der Geburt direkten Hautkontakt mit deinem Säugling herzustellen, versuche einfach, dies bei der nächstmöglichen Gelegenheit zu tun. Zögere auch nicht, deinen Ärzten und Krankenschwestern mitzuteilen, dass dies für dich wichtig ist, damit sie dir diese Zeit auch vollständig ermöglichen können.

Letztendlich geht es bei diesem Prozess um die Bindung zu deinem Baby. Tue einfach dein Bestes, um anwesend zu sein, entspanne dich und genieße das Kennenlernen des neuen kleinen Erdenbürgers in vollen Zügen.

Wenn du weitere Fragen zum direkten Hautkontakt, zur Geburt oder zur Mutterschaft hast, besuche einfach unsere kostenlose Beratungsplattform.

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